🎭 „Wir sind am Leben“ – Eine musikalische Zeitreise durch das wilde Berlin der 90er
Berlin kann vieles: laut, chaotisch, kreativ – und manchmal auch überraschend sentimental. Mit „Wir sind am Leben – Das Berlin Musical“ im Theater des Westens bekommt die Stadt nun ihre eigene musikalische Liebeserklärung. Und die hat es in sich: Glitzer, Schmerz, Euphorie – und ein Soundtrack, der irgendwo zwischen WG-Party und Existenzkrise tanzt.
Ein Musical wie ein Katerfrühstück nach der Wende
Die Handlung katapultiert das Publikum direkt ins Jahr 1990 – eine Zeit, in der Berlin nicht nur geografisch, sondern auch emotional neu zusammengesetzt wurde. Im Zentrum stehen Nina, Mario und ihre Mutter Rosie, die versuchen, sich in einem Berlin zurechtzufinden, das plötzlich alle Möglichkeiten bietet – und mindestens genauso viele Unsicherheiten.
Was zunächst wie ein klassisches Familien-Drama klingt, entwickelt sich schnell zu einem vielschichtigen Panorama: Hausbesetzer, queere Lebensrealitäten, Freundschaft, Verlust – und ja, auch die AIDS-Krise spielt eine zentrale Rolle.
Dabei gelingt es dem Stück, trotz schwerer Themen nie komplett in Schwermut zu versinken. Der Humor ist da – manchmal schräg, manchmal trocken, oft sehr berlinisch.
Die Macher: Persönlich wie nie zuvor
Hinter dem Musical stehen Peter Plate und Ulf Leo Sommer – bekannt durch Erfolgsproduktionen wie „Ku’damm 56“. Doch dieses Werk ist anders: Es ist ihr erstes komplett selbst entwickeltes Musical und gilt als ihr persönlichstes Projekt.
Man merkt schnell: Hier wird nicht einfach Geschichte erzählt, hier wird Erinnerung verarbeitet. Viele Elemente basieren auf eigenen Erfahrungen der Autoren – inklusive der Verluste durch die AIDS-Epidemie der 90er.
Das Ergebnis ist kein glattpoliertes Musicalprodukt, sondern eher ein emotionales Tagebuch mit Bühnenlicht.
Bühne, Musik und 90er-Vibes
Musikalisch bewegt sich „Wir sind am Leben“ irgendwo zwischen Pop, Rock und einem Hauch Trash – also genau da, wo die 90er sich am wohlsten fühlten. Eine Live-Band sorgt für Druck, während die Songs von hymnisch bis herrlich überdreht reichen.
Die Inszenierung lebt von schnellen Szenenwechseln, starken Charakteren und einer Bühne, die sich ständig wandelt – von WG-Küche bis Clubnacht. Und ja: Smartphones gibt es hier nicht. Ein Detail, das plötzlich erstaunlich befreiend wirkt.
Ein Stück Berlin – roh, ehrlich, emotional
Das Musical ist mehr als Unterhaltung. Es ist eine Hommage an ein Berlin im Umbruch: zwischen Aufbruch und Angst, zwischen Freiheit und Verlust.
Gleichzeitig schafft es die Inszenierung, diese Zeit nicht nur nostalgisch zu verklären, sondern auch kritisch zu beleuchten. Gerade die Balance zwischen Humor und Ernst macht den Abend so besonders.
Oder anders gesagt: Man lacht, man schluckt, man denkt nach – und manchmal alles gleichzeitig.
Tickets, Infos & Links
- Offizielle Website: Jetzt ansehen
- Spielort: Theater des Westens
- Tickets: Ticketshop
- Instagram: @wirsindamleben.dasmusical
Fazit für Art&Berlin
„Wir sind am Leben“ ist kein Musical für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit, Emotion und vielleicht auch ein kleines bisschen Mut – vor allem, weil es Themen anspricht, die heute wieder erschreckend aktuell wirken.
Wer sich darauf einlässt, bekommt einen Abend, der sich anfühlt wie Berlin selbst: widersprüchlich, lebendig und irgendwie immer ein bisschen zu viel – im besten Sinne.
Die Bildmotive stammen von Berlin.de. Die dortigen Bildnachweise nennen u. a. © Jörn Hartmann, © Dominic Ernst und © Ferran Casanova.